Samstag, 31. Dezember 2022

CIENFUEGOS & SANTA CLARA – WAS KOSTET DIE WELT?

Hallo ihr Lieben,

zum Abschied habe ich Anna Maria einen hochwertigen Eyeliner sowie ein paar Klamotten geschenkt. Sie war total aus dem Häuschen. Genau für solche Menschen sind meine Geschenke gedacht. Heute ging es knapp 500 Kilometer nach Havanna mit Zwischenstopps in Cienfuegos und Santa Clara. Zuerst besichtigten wir einen Protzbau aus verschiedenen Stilrichtungen, der einem bekannten Zuckerrohr-Fabrikanten gehörte und der heute ein Restaurant beherbergt. Dort haben die deutsche Direktorin und der italienische Skipper von dem Luxus-Segelschiff Sea Cloud um Milch angefragt, weil sie ihnen für ihre Gäste ausgegangen ist. Milch gibt es hier aber nicht, höchstens eine kleine Menge auf dem Schwarzmarkt für den zehnfachen Preis. Anstatt froh darüber zu sein, wollte die Direktorin dann noch eine Quittung dafür haben - typisch deutsch:-).

Weiter ging es dann zur Wiege der Revolution nach Santa Clara, wo wir das Denkmal des Che Guevara besichtigten, da das Mausoleum geschlossen war. Die Wüste aus Beton erinnerte mich an meine Zeit in Polen. Überhaupt gibt es hier ganz viele Parallelen zu meiner Vergangenheit mit dem Unterschied, dass hier die Zeit stehen geblieben ist.

Auf dem Weg nach Havanna hielten wir dann an einer Raststätte und wollten etwas essen. Das Einzige, was unser Reiseleiter organisieren konnte, waren Maniok und Tequila. In Havanna sollte uns schließlich noch ein Silvester-Menü im Hotel erwarten. Den Preis hatte der Guide vorher verkündet, doch als wir dort ankamen, sollte es zuzüglich Show plötzlich das Zehnfache kosten. Ohne Show könnte man wiederum nicht zu Abend essen. Bei uns nennt man das Erpressung:-). In der Parallelwelt scheint die Verzehnfachung der Preise ein beliebter Umrechnungsfaktor zu sein. Ich nehme diese Reise mit ganz viel Humor.

Feliz ano nuevo meine Lieben, ich habe immerhin ein riesiges Glücksschwein auf der Straße gesehen!

eure Maggie















Freitag, 30. Dezember 2022

TRINIDAD – ACHTERBAHNFAHRT DURCH DEN DSCHUNGEL

Hallo ihr Lieben,

nach einem herrlichen Frühstück mit Brötchen, Käse und Früchten sind wir in den Nationalpark Topes de Collantes aufgebrochen. Die Wanderung hatte es in sich, wir haben knapp 1000 Höhenmeter über Stock und Stein bewältigt. Unser Guide Ronaro hat uns u.a. Colibri, Mimosen, Kakaopflanzen sowie wilde Organgenbäume gezeigt, dessen Früchte köstlich sauer schmecken. Mein Highlight war der Wetterbaum, dessen Blätter sich zwei Tage vor Stürmen und Tornados schließen, da der Luftdruck ein anderer ist – eine geniale Alarmanlage der Natur! Auf einer Hütte haben wir ein leckeres Spanferkel mit Kürbis, Früchten sowie Bohnen und Reis bekommen. Für mich war es das beste Essen hier, fernab der Touristen-Abzocke. Zurück ging es dann mir einem riesigen Diesel-LKW wie in einer Achterbahn quer durch den Dschungel zum Ausgangspunkt. Wir haben dann Ronaro in unserem Bus nach Trinidad mitgenommen und da hatte ich die Gelegenheit, mich mit ihm auf Italienisch zu unterhalten. Witzigerweise hat er – wie ich – Kunst studiert und Italienisch gelernt, sodass wir sofort einen Draht zueinander hatten. Er zeigte mir Fotos von seiner Frau und seiner Tochter, erzählte mir viel über den echten Alltag in Kuba und konnte mir auch erklären, warum ich hier keine Bilder in meinen Block hochladen kann. Ich brauche es daher auch nicht mehr zu versuchen. Durch ihn habe ich sehr viel von diesem Land verstanden und bin meinen Eltern sehr dankbar, dass sie einen Neustart in Deutschland gewagt haben und ich jetzt mit Kuba mein 73. Land auf der Welt besuchen darf. Danach haben wir das Städtchen Trinidad mit der größten Dichte an Kolonialhäusern auf der Welt (gehört zum UNSECO Weltkulturerbe) angeschaut und Zigarren erstanden, die ein Mann unserer Gruppe in seiner Wohnung angeboten hatte – hier habe ich eine echte Cohiba für meinen Bruder erstanden. Wieder ist ein ereignisreicher Tag zu Ende gegangen. Morgen werden in Richtung Havanna aufbrechen.

Gute Nacht 

eure Maggie
















Donnerstag, 29. Dezember 2022

SANCTI SPIRITUS & TRINIDAD – DIE HEILIGEN SPIRITUOSEN

Hallo ihr Lieben,

ich habe die halbe Nacht gehustet, aber jetzt ist hoffentlich alles raus. Beim ersten Halt, den unser Fahrer Viktor (rechts im Bild) in Richtung Sancti Spiritus habe ich mir Rum bestellt und ordentlich damit gegurgelt. Ich habe mir gedacht: Entweder tötet er alle Viren oder mich – noch lebe ich:-). Das Städtchen, was eigentlich dem heiligen Geist seinen Namen verdankt, habe ich daher den heiligen Spirituosen gewidmet. Wir hatten mal Zeit, auf eigene Faust loszuziehen. Mir fiel gleich eine Riesenschlage vor einer Behörde auf. Ich wollte einfach wissen, was es dort gibt. Diesmal gab es eine Zuteilung von 20 Dosen Bier pro Kopf – für wie lange weiß ich allerdings nicht. Wir Touristen bekommen ein Bier im Hotel gegen Euro oder Dollar oder in einem vergitterten Kiosk auf der Straße wie auf dem Bild zu sehen. Manchmal ist es sogar in einem Kühlschrank abgeschlossen und du musst ihn dir von der Bedienung wie beim Juwelier aufschließen lassen – Wahnsinn! Auch das Essen ist so eine Sache: Heute habe ich zum Frühstück tatsächlich Butter und eine Scheibe Schinken bekommen, mittags dann zur Abwechslung zu den üblichen Bohnen, Reis und etwas Rindfleisch – Kichererbsen, Reis, Brot und einen wahren Luxus: Mineralwasser mit Kohlensäure! Also werden meine Pfunde nur so dahinschmelzen!

Noch etwas zum Zweirad-Verkehr: Entweder haben die Mopedfahrer einen Fahrradhelm oder eine Art Reithelm auf. Auf jeden Fall siegt hier die Fantasie, bei mir inzwischen auch: Ich habe mir am Straßenrand Paprika und Tomaten besorgt, um etwas Abwechslung beim Frühstück zu haben. Ich nehme heute auch nicht am abendlichen Gruppenprogramm teil, weil ich mich auskurieren möchte. Und das kann ich bei Anna Maria wunderbar, da sie ein gepflegtes Gästehaus in Trinidad hat und uns alle bestens umsorgt. Genau diese Ruheoase brauche ich heute. Dass es hier kein WLan gibt, macht mir auch nichts aus.

Gute Nacht, eure Maggie
















Mittwoch, 28. Dezember 2022

BAYAMO & CAMAGUEY - EDLE GEDANKEN, BITTERE ARMUT

Hallo ihr Lieben,

Erster Halt eines sehr langen Tages war heute die heiligste Pilgerstätte Kubas: El Cobre mit seiner prachtvollen Wallfahrtskirche. Wir durften heute an einer feierlichen Segnung teilnehmen, bei dem die meisten Menschen in Gelb gekleidet waren und Sonnenblumen dabeihatten, weil sie die Mutter Gottes hier mit dem gelben Sonnenlicht assoziieren. Danach war das verschlafene Städtchen Bayamo dran, dass in der Mittagshitze wie ausgestorben wirkte. Hier haben sich diverse Freiheitskämpfer gegen die Spanier aufgebäumt, aber den Kampf verloren und ihre eigene Stadt niederbegrannt, bevor die Eroberer sie einnehmen konnten. Wenn man sich heute Kuba anschaut, dann haben die Revolutionen überhaupt nichts gebracht: Heute bekommt jeder Kubaner 3,5 Kilo Reis pro Monat zugeteilt. Wenn es mal Fleisch gibt, stehen die Menschen Schlage oder beziehen es auf dem Schwarzmarkt, Überhaupt haben die edlen Gedanken zu nichts außer zur Armut geführt, die Pandemie hat den Menschen hier noch den Rest gegeben. Ich habe auf meinen Reisen noch nie so viele Bettler gesehen, sie reißen uns sogar die Shampoos aus den Hotels aus den Händen. Und ich bin froh, dass ich etwas Schwarzbrot eingepackt habe und drei Tage lang Bohnen, Reis, Bananen und etwas Rind werden langsam auch langweilig. Immerhin gab es noch ein künstlerisches Highlight in Camaguey: die Galerie von Martha Jiménez, einer begnadeten Grafikerin, Malerin und Bildhauerin, die wie ein Lichtblick in der Tristesse auf mich gewirkt hat. Ich bin nach dem Tag ziemlich geschlaucht ins Bett gefallen, zumal mich eine Mitreisende mit ihrem Husten angesteckt habt. Ich hoffe, dass ich schnell wieder auf die Beine komme. Jetzt heißt es duschen, da wir wieder 5 Stunden über Schlaglöcher fahren, Hahaha!

Liebe Grüße

eure Maggie














Dienstag, 27. Dezember 2022

SANTIAGO DE CUBA - POLEN LÄSST GRÜSSEN:)

Hallo ihr Lieben,

vielleicht fragt ihr euch, was wir hier immer so in den besten Hotels zum Frühstück bekommen? Es gibt eine Toastscheibe, etwas Marmelade, ein paar Scheiben Papaya und ein Rührei sowie so eine Art Carokaffee. Aber das ist nicht schlimm, ich werde meinen Feiertagsspeck endlich los! Heute haben wir uns erst einmal Santiago de Cuba angeschaut, u.a. auch den berühmten Balkon des Rathauses, wo Fidel Castro den Sieg der Revolution verkündet hatte. Ebenso stand der Besuch einer Rumfabrik auf dem Programm, in der pro Tag 10.000 Flaschen Rum produziert und exportiert werden – dank der Familie Bacardi, die sich wohl sehr generös um Mitarbeiter und das Bildungswesen in Kuba gekümmert hatte, aber dann doch abgehauen ist, weil Freiheit hier nur ein Wort ist. Die größte Villa gehörte mal dem Bürgermeister und am Friedhof Santa Ifigenia wird in die Gräber der Toten inklusive Wachablösung am Grabmonument des Nationalhelden Jose Marti (Film) mehr Geld investiert als in das Wohlergehen der Bevölkerung. So werden u.a. morgens Arbeiter in großen Diesel-LKWs zur Arbeit gefahren und dann wieder abgeholt – das ist moderne Sklavenhaltung. Mein Highlight heute das Grab von Compay Secundo, der erst mit 90 Jahren Weltruhm mit seiner Musik und dem Buenavista Social Club erreichte. Er inspirierte mich auch dazu, mir heute Abend abseits des Dieselgestanks und des Gruppenprogramms eine Ruheinsel über den Dächern von Santiago de Cuba zu suchen, um die ersten Tage mal sacken zu lassen. Hier habe ich auch die Polin Kinga kennen gelernt, die in Kanada lebt und gerade einen Kurztrip quer durch Kuba macht – wir essen jetzt gemeinsam zu Abend, sofern die Hotelküche was her gibt.

Hasta luego,

eure Maggie
















FRANKFURT - MIT VIELEN ABENTEUERPUNKTEN WIEDER DA:-)

Hallo ihr Lieben, der Flughafen Varadero ist eine Betonwüste. Man muss ewig Schlange stehen und hoffen, dass alles gutgeht, weil die Behörde...